Pylon am Drei­län­der­eck Basel

Erklärungen zur Eisenplastik „Pylon”

Um Sinn und Motivation zu verstehen, aus denen heraus diese „Pylon“ genannte Eisenplastik entstanden ist, muss man sich an die Stimmung der Fünfzigerjahre des letzten Jahrhunderts entweder noch erinnern oder hineinfühlen können. Dieses Jahrzehnt, das später als „die goldenen Fünfziger“ bezeichnet wurde, war das Jahrzehnt der beginnenden Erholung von dem grauenvollen zweiten Weltkrieg. Die Ruinen waren grösstenteils abgebaut und aufgebaut wurden nicht nur Häuser, Brücken und Städte, sondern auch Solidität und Solidarität und damit auch Zuversicht und der Glaube, das Dasein mache wieder Sinn. Nach Jahren eines Endzeittraumas atmete Europa neuen Anfang.

Ich entwarf, plante und leitete die Ausführung dieser Riesen-Skulptur als Mitbürger dieser Region, vor allem aber als Miterlebender dieser Ereignisse. – Sie sollte nicht etwas darstellen. Sie sollte etwas suggerieren, nämlich die Effizienz dieses Aufschwungs. Ihre Gestalt sollte dazu verführen, den lähmenden Blick auf die Schwerkraft des Vergangenen zu heben und nach oben zu schauen, genauso wie sie sich selber lockend und verheissend in die Höhe schraubt.

Hilfreich für die Formfindung war der vitale Hafenbetrieb mit seinen Schiffen, die anregende Realien enthalten: als Figur hat der Pylon mit seinen 3 Flügeln, die sich in einem Winkel von je 120 Grad auf das Kernrohr zentrieren, im Grundriss etwas von einer Schiffsschraube und im Aufriss des einzelnen Flügels etwas von einem Segel. Die Relation der drei Flügel ist augenfällig: sie symbolisieren die drei Länder und ihre punktsymmetrische Zentrierung auf das Kernrohr, welches ihre Gemeinschaft symbolisiert.

Obschon der Pylon Jahre vor meinen ersten Holzplastiken entstanden ist und an Grösse und Material sich von diesen radikal unterscheidet, gehört diese Eisenplastik zu meinem Gesamtwerk: Sie hat, wie die Skulpturen aus Holz, eine mathematische Struktur und Form. Das war schon damals die Prämisse meiner Formfindung. Und sie ist das eiserne Integral einer regionalen Dreiländergemeinschaft geworden.

Wilhelm Münger

Entwurf: von Wilhelm Münger konstruiert und aufgestellt 1957.
Standort: Basler Rheinhafen unweit vom geo- grafischen Grenzpunkt der drei Länder Frankreich, Deutschland, Schweiz, der sich in der Rheinmitte befindet.
Höhe: 18.70 Meter
Material: Tafeleisen 15 mm stark, kreisrund gewalzt und verschweisst. 1 Stahlrohr Ø 140 mm als Kern- und Verbindungsrohr.
Gewicht: 8.3 Tonnen

Einzelbauwerk 46.0.11 Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung in Kategorie A